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Game of Thrones schafft sich ab

Die größte Serie aller Zeiten ist zurück. Millionen Budgets, riesige Schlachten und Fans, die gierig auf Neues warten. Kann die Serie dem Hype widerstehen oder bricht sie unter der Last zusammen?

Die Sub-Prime Krise in 2008 hat zur einem weltweiten ökonomischen Desaster geführt. Hausbesitzer gingen bankrott, Banken mussten sich auf die gütige Schulter des Staates stützen, um das Zusammenbrechen der internationalen Finanzmärkte zu verhindern. Ganze Staaten verzweifelten an den Folgen, die der Handel mit maroden Krediten hatte. Die komplette Weltwirtschaft wurde an einen Scheideweg geführt und einige, wenige dafür verantwortlich gemacht. Die Lehman Brothers, Bear Sterns, Merryl Lynch und ihre Genossen standen ein, für die Gier und die Machenschaften der dunklen Mächte hinter den Verstrickungen der globalen Blase, die die größte Wertevernichtung seit fast hundert Jahren mit sich brachte. Jeder hat die Stigmata der Kredite in Erinnerung, Hypothekenkredite in den USA für Mittellose mit atemberaubend schlechter Bonität, die kein vernünftiger Banker mit einem zehnmeterlangen Holzstock angefasst hätte. Diese nannte man etwas zynisch subprime Kunden, also unter den Prime Kunden, welche nicht mehr den Profitrahmen einbrachten. Niedrige Zinsen erhöhten sich während des ersten Vertragsjahres exponentiell und führten schnell zu einem Liquiditätsproblem für die subprime Kunden.

In der Folge wurde es extrem komplex. Kreditnehmern wurde ein größerer Rahmen anhand des steigenden Wertes ihrer Immobilie versprochen, womit sie eine Umschuldung finanzieren würden usw. Es kam wie es kommen musste, die Häuser gewannen nicht an Wert. Die Schuldner zahlten nicht mehr. Default heißt das und die Immobilien, die doch als letztes Faustpfand für die Gläubiger blieben, wurden zu einer schönen Erinnerung früher Tage, in denen sie wenigstens einen Apfel und ein Ei einbrachten. Warum auch immer, Marktkräfte oder so. Durch die Verpackung dieser faulen Kredite und der Umverteilung auf viele Schultern spekulierte man auf die Sicherung der Kredite, unterwanderte aber dadurch einen Markt, der zu platzen drohte. Diese Hypotheken wurden aufgekauft, verpackt, mit tollen Kreditratings versehen zu unglaublich niedrigen Zinsen verhökert und verkauft und aufgekauft und geshorted (was heißt, man setzt darauf, dass ein Wert oder eine Aktie sinkt) und international gehandelt und weiter verpackt und… Ich erkläre das sehr schlecht. Wer sich dieses Thema näherbringen will, sollte sich die Margot Robbie Szene in The Big Short anschauen.

Es entstand der feuchte Traum von Kapitalismuskritikern. Entfesselte Märkte, lügende Banker und Staaten, die für ihr Versagen und ihre fehlende Regulation aufkommen mussten. Die Auswirkungen spüren wir bis heute und somit hat sich das Konzept der Blasen, das wir schon durch die dot-com Krise, die Wirtschaftskrise 1929 bis zurück in die Zeit des Tulpenbooms erlebt haben, im kollektiven Bewusstsein der Menschheit etabliert. Etwas wird so gehypet, dass es irgendwas unter der Last der Erwartungen zusammenbricht.

Hype (singular, eng. Uneingeschränkte Erwartungshaltung, universelle Begeisterung) beschreibt den Prozess, in dem Produkt, eine Person oder Event einen Umstand schafft, worin seine Existenz oder sein bevorstehendes Erscheinen Stürme der Begeisterung und populäre sowie mediale Allgegenwärtigkeit auslöst. Dieser Hype wird meist bewusst von den Machern bzw. den Hintermännern dieser Produkte, der Marketingabteilung, geschürt oder er entsteht ganz natürlich, wie zum Beispiel letztes Jahr Pokemon Go.
Es wurden schon sehr viele Büchern über Hype geschrieben. Über seine Entstehung, seine Zyklen, seine Dauer, Faktoren, die für richtigen Hype von elementarer Wichtigkeit sind, Nachhaltigkeit des Hypes und Umgang mit den geschürten Vorstellungen, die in der Regel nicht erfüllt werden können. Hype fördert Marken, schafft Jobs (da Prognosen Wachstum vorhersagen) und füllt die Kassen der Unternehmen, die ihn für sich zu nutzen wissen.
Apple ist dabei zunächst zu nennen. In der Geschichte der Menschheit brannte sich keine andere Firma in die prä-frontalen Kortex der Menschen ein wie Apple. Wenn ein neues Iphone erscheint, ist es das Fetischobjekt Nummer 1 weit über die Grenzen sozialer Stratifikation hinaus. Genauso verhält es sich mit einem neuen Star Wars Film, der alle Menschen, ob alt ob jung in die Kinos zieht, weil er ein zeitgeschichtliches Ereignis darstellt.
In diese Größenordnung schaffen es nur sehr wenige Produkte oder Personen. Bleibt man bei Filmen, fällt es heutzutage wirklich schwer, ehrliche Begeisterung auszulösen. Marvel Filme sind austauschbar, Blockbuster versprechen viel, aber halten wenig und werden durch word of mouth schon bevor sie das Licht des Projektors erblicken, abgeschrieben. Meines Erachtens sind die letzten Filme, die echten Hype ausgelöst haben, Get Out und vielleicht Mad Max. Diese erzeugten eine Präsenz im kulturellen Verständnis, die man mit einem Zwang gleichsetzen kann. Um mitreden zu können, musste man diese Filme gesehen haben. Besonders im Falle von Mad Max war es das pure viszerale Erlebnis, die bombastischen Bilder und die bahnbrechenden visuellen Effekte, die den Film zu einem kulturellen Meilenstein machten.

Funktioniert Hype, verbreitet er sich wie eine Epidemie. Von einer Person zur nächsten. Es gibt kein Gegenmittel. Jeder, der sich in einer mediensensitiven Umgebung bzw. dem Internet bewegt wird von einer Welle eingenommen, die es schwierig macht, noch am Zeitgeschehen teilzunehmen, ohne grundsätzliches Wissen über das Produkt, das angepriesen wird. Hype fungiert heutzutage als Währung. Das monetäre Investment, das man einem Erzeugnis zu spricht, wird vielfach zurückgezahlt, wenn man die richtigen Hebel bedient und es richtig positioniert. Dabei spielt die unbewusste, subjektive Zugehörigkeit von Leuten innerhalb eines Gruppengefüges eine wichtige Rolle. Niemand will außen vor sein. Niemand will abgehängt sein. Dieser grundlegende Gedanke speist die Kraft der Hype-Lawine, denn je größer eine Gruppe ist, je attraktiver ist es zu dieser zu gehören. Das hat viel mit dem Bewusstsein der einzelnen Personen zu tun, die diesen Zugehörigkeitszwang zunächst erstmal wahrnehmen. Ein Indie Film, der zwar von Kritikern geliebt wird, aber in den Zeitungen nur 3 Spalten findet, wird nicht die gleichen Voraussetzungen haben, die ein 200 Millionen Dollar Film nun mal besitzt. Das dürfte verständlich sein. Im Internet steigt dieses Verlangen nach Identität innerhalb einer Gruppe nochmal exponentiell.
Auf der Gegenseite ist die Enttäuschung umso größer, wenn ein Produkt, worauf man 1,5 Jahre wartete, dann nicht das liefert, was es versprach. Auch das ist natürlich, birgt aber eine Gefahr für die Macher hinter den Produkten, da die Erwartungshaltung meist außerhalb ihrer Möglichkeiten liegt. Da sich Hype von sich selbst ernährt und sich so tausendfach steigert, ist es fast unmöglich, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen, wie gesagt ausgenommen davon seien genannte Filme. Sogar Star Wars VII, der größte Film aller Zeiten, wurde nur bedingt positiv wahrgenommen, weil die Vorstellungen der Fans unermesslich waren.
Gleichzeitig sind die heutigen Blockbuster so aufgeblasen und kosten durchschnittlich um die 200 Millionen, dass sie mindestens 500-700 Millionen Dollar einspielen müssen, um schwarze Zahlen zu schreiben.
Dabei verlieren sie an Qualität und vor allem Eigenständigkeit, da sie ein größtmögliches, auch internationales Publikum befriedigen müssen.
Hype ist Gift und führt schnell zu einer Überspannung der Verhältnismäßigkeit, und um den Bogen zur Hypothekenkrise zu finden, verspricht er eine Rendite gigantischen Ausmaßes, die sich irgendwann selbst zerfrisst. Darin liegt die Gefahr der Hype-Blase.

Game of Thrones ist keine Fernsehserie. Game of Thrones ist ein globales Event, das jeden Frühling Millionen Menschen in seinen Bann zieht. Es ist von der kleinen Fantasyshow, die eine populäre Buchreihe auf den Fernsehschirm bringen wollte, zu einem internationalen Unternehmen gewachsen, das sich über alle Kulturen und Kontinente spannt.
Die Serie filmt in Irland, Kroatien, Spanien und weiteren Ländern. Kinder aller Welt sind mit den Charakteren vertraut und die Story selbst ist so universell besetzt, dass sich der Weltbürger damit identifizieren kann.
Machtkämpfe, Intrigen, Krieg, Frieden, Herrschaft, Patriachat, das sind die Grundfesten der Dichtung Shakespeare und in seinen besten Momenten findet Game of Thrones die psychologisch-charakterliche Tiefe und Tragödie, auf die sich moderne Erzählung aufbaut. Man denke an Red Wedding, Blackwater oder Balor. Unfassbar tiefgreifende, emotionale, schockierende Momente, die die Show bis heute definieren. Es waren genau diese Momente, die den Geist von Game of Thrones schufen. Die überraschenden Wendungen, die Twists und die Angst gespoilt zu werden.
Ich denke, man greift nicht zu weit, wenn man sagt, dass die moderne Spoiler-kultur auf Game of Thrones zurückzuführen ist. Diese unglaublichen, spektakulären Szenen haben die Serie zur Einzigen ihrer Art gemacht.
In Amerika nennt man das appointment viewing, was so viel bedeutet wie Pflichtprogramm. Auch in Zeiten von Netflix, Amazon und VOD ist Game of Thrones die einzige Serie, die geschaut werden muss, sobald sie erscheint, um sich vor den lästigen Spoilern zu schützen und der Konversation folgen zu können.[1] Sie erhebt sich über die übrigen Serien als Eisbrecher, Freundschaftsschöpfer und soziales Bindegewebe. Fragt man zufällig hundert Leute, ob sie Game of Thrones schauen, werden 40 mit Ja antworten. Eltern nennen ihre Töchter Khaleesi ohne zu wissen, dass es sich dabei um einen Titel, nicht um einen Namen handelt!

Milliarden Wörter werden im Internet über Jon Snow, Danaerys Targarien und Podrick Payne geschrieben. Hunderte Youtube Kanäle beschäftigen sich mit Theorien, die die Währung im Internet darstellen. Wenn ich so frei sein darf, sind Spannung und die Theorien über das, was passieren wird, viel interessanter als das, was wirklich passiert. Natürlich bietet die Serie tolle Charaktere, wunderschöne Vistas, einzigartige musikalische Untermalung und meisterhafte Dialoge, doch ist sie in ihrer reinsten Form ein Spiel zwischen Erwartung und Befriedigung. Eine Annahme oder Vermutung wird vorausgesetzt und dann entweder unterwandert oder bestätigt. Das löst im Zuschauer eine Suchtwirkung aus, die keine andere Serie über eine so lange Zeit erhalten hat. Vielleicht Lost zu seinen besten Zeiten.
Zudem gibt es keine Serie, die das gleiche Ansehen hat. Sie ist nicht nur von vielen Kritikern respektiert, sondern auch von Fans geliebt. Andere Serien, die mehr Zuschauer generieren und auf gewissen Privatsendern gesamte Abende ausfüllen, werden belächelt oder sogar aktiv gehasst. Somit hat sich eine neue Art des Entertainments gebildet. Eine transzendentale Serie, die nicht nur durch ihren Inhalt überzeugt, sondern durch ihr pures So-Sein; durch ihre Beschaffenheit und ihre Existenz. In den vergangenen Jahren hat sich Game of Thrones mit seinem Eventcharakter zum perfektem Sturm entwickelt, dessen Inhalt manchmal begeistert, aber häufig bei näherer Betrachtung schnell langweilig wird, was jedoch nicht von Bedeutung ist, da es als Solches brilliert und immer neue Antworten gibt, egal wie trivial diese doch sein mögen. Es wird ersichtlich, dass Game of Thrones heute von den Fragen lebt, wie nie zuvor. Auf den Wert des Spektakels komme ich später zurück. Wie steht es also gerade um Game of Thrones?

Gehen wir die sie Serie zunächst nach intrinsischen Gesichtspunkten an ohne meta zu werden. Lassen wir nur die Story, die Bilder und die schauspielerischen Leistungen sprechen.
Blickt man auf die letzten beiden Staffeln zurück, stellt man fest, dass sie in ihrer Qualität nicht mit den ersten drei Staffeln mithalten können. Dabei spielt die vierte Staffel eine Übergangsrolle, die allerdings schon einige der Krankheiten zeigte, die sich in den darauffolgenden Jahren mehr und mehr manifestiert haben. Die ersten beiden Staffeln sind schlicht brillant; in ihrer Erzählstruktur, ihren Charakteren und ihrer Größe. Blackwater ist die beste Blockbuster-Folge, obwohl sie mit dem geringsten Budget erreicht wurde, was sie umso beeindruckender macht. Ich kann die grüne Explosion noch vor meinen Augen sehen. In der dritten Staffel entstehen die ersten Risse in der strukturellen Statik der Serie. Manche Charaktere erreichen wenig und vertreiben ihre Zeit mit unnützen Umwegen. Die Staffel wird von Jamie Lannister und einem der besten Momente in der gesamten Show gerettet.
Dabei stellt sich die extreme Endlastigkeit der Staffeln ein, die zwar in den ersten Staffeln auch schon sichtbar ist, sich aber nicht in dem offensichtlichen schon fast ironischen Ausmaß zeigt, das ab Staffel 3 angewandt wird. Mit der Red Wedding beginnt, was in der fünften und sechsten Staffel zu einem echten Problem wird. Zudem endet die Staffel mit einem schrecklich problematischen Bild von Dany, die als Retterin der Sklaven getragen wird. In Essos geht sowie der Geist des Orientalismus um, was man mal hinterfragen sollte.
Der größte Teil der Serie fungiert nur noch als Achterbahnauffahrt, die in der neunten oder zehnten Folge in einem Crescendo endet. In den vorherigen Folgen geschieht besonders in Staffel 5 und 6 (ausgenommen The Door in 6) fast nichts von Bedeutung.
Während der vierten Staffel beginnt die Erosion. Charaktere werden auf die lange Bank geschoben und die Story verfängt sich in Platzhaltern, die wie feststeckende Fahrstühle agieren (siehe Dany in fucking Mareen). Sie hat immer noch Höhepunkte und den besten Charakter (Oberyn) der gesamten Show, jedoch gerät die Treibkraft der ersten Staffeln ins Stocken. Was passiert aus Plot-Sicht in Staffel 4? Joffrey stirbt, Tyrion wird angeklagt und kommt frei, tötet seinen Vater, Oberyn wird ausgepresst (RIP), die Wall wird vergeblich angegriffen. Dany nimmt Mareen ein und macht dann Pause. Zum Ende der Staffel sind viele Charaktere auf Booten und reisen fort.

In der fünften Staffel wird daraus eine Farce. Eine Reihe zusammengeschusterter Storylines, die alle sehr künstlich wirken und teilweise verheerende Konsequenzen für die Charaktere (Sansa) haben. Diese Staffel verlangte von Benioff und Weiss (den beiden verantwortlichen Autoren), Bücher zu adaptieren, die, um es milde auszudrücken, verworren sind und wenn man der Mehrheit der Leser Glauben schenkt, nicht an die Qualität der ersten drei Werke herankommt. Daraus resultieren Stränge, die extrem simplifiziert daherkommen, wenig Raum für Figuren bieten und mehr oder weniger fragwürdige Motive in den Vordergrund stellen. Dorne ist und bleibt eine einzige Katastrophe, wobei auch logistische Probleme eine Rolle spielen.
So durfte GOT nur eine begrenzte Zeit im altehrwürdigen und wunderschönen Königspalast Alcazar in Sevilla filmen, was die dort stattfindenden Szenen (der Kampf mit den Sand Snakes) gehetzt und uninspiriert inszeniert erscheinen lässt. Desweitern wurden die Motivationen der Charaktere auf ihre limbischen Instinkte reduziert. Cerseis trifft falsche Entscheidungen ohne Not, wird dafür gestraft, Sansa wird schrecklich gedemütigt und sexuell missbraucht, Jon Snow will humanistische Hilfe leisten und wird dafür getötet. Tyrion macht irgendwas. Arya macht irgendetwas. Dany macht irgendwas und reitet dann auf ihrem Drachen davon. Die Geschichte bewegt sich im Schneckentempo.
George RR Martin sagte einst, dass die schlimmen Dinge, die den Charakteren widerfahren in ihren persönlichen Schwächen bedingt sind. In den letzten beiden Staffeln wird diese Haltung aus dem Fenster geworfen. Katastrophen passieren, weil sie passieren müssen. Natürlich kann man Cerseis Arroganz und ihre gefühlte Unantastbarkeit anführen und die Paranoia, die durch die Prophezeiung in ihr ausgelöst wird, jedoch ist diese so unerkenntlich in der Show, dass man sich wünschte, die Serie würde mit Voice Over arbeiten. Zudem werden kleine Mädchen geschlagen und verbrannt.[2] Zudem ist die Geschichte des High Sparrows so langweilig, dass man schweißgebadet erquickt, wenn er endlich explodiert. Dabei muss man festhalten, dass Hardhome eine der besten Folgen der Serie ist und unglaubliches Spektakel bietet (da ist es wieder).
Was passiert nochmal im Finale der Staffel, ach ja Selbstkritik (shame, shame, shame) und jemand stirbt für 5 Sekunden.

In der sechsten Staffel rehabilitiert sich die Serie qualitativ, jedoch ist die Taktung der Geschehnisse immer noch außerordentlich phlegmatisch. Große Teile der Staffel verbringt man mit tertiären Charakteren und wartet sehnsüchtig darauf, dass es wieder knallt.
Sie verfügt über einen der emotionalsten Momente in der Geschichte, der mit einer Tür (oder in Deutsch mit einem Tor) zusammenhängt, dazu eine monströse Schlacht samt generischer Genugtuung und einer Explosion. Man muss eingestehen, dass das Finale die erste Folge beschreibt, die die kompositorischen Möglichkeiten einer Fernsehsendung in der Montage zu Beginn vollkommen und meisterhaft ausreizt. Also ein Pluspunkt, jedoch sind die Längen extrem und da wir uns in der sechsten Staffel in der Nacht, die dunkel und voller Terror ist, das heißt abseits der Bücher bewegen, werden die Stränge noch simpler.

Cersei übt Rache, Jon lebt, kämpft (RIP Rickon), wird König im Norden, Buffalo Bill Ramsey stirbt, Arya tötet eine Waive und backt einen Kuchen, Tyrion wird als naiver Depp dargestellt, Dany liebt Pyromanie und fährt endlich nach Westeros, Jamie nimmt eine Lego Burg ein, der coolste Pirat in der Geschichte Euron Greyjoy hat 2 Szenen und der Hound macht Urlaub. Sonst noch etwas? Ach ja, Milesandre ist alt und ein kleiner Junge springt aus einem Fenster. Außerdem mehr Flashbacks und wir erfahren die Wurzeln eines gewissen Jon Snows.
Die Geschichte ist schnell erzählt, und fühlt sich trotzdem fast endlos an. Die neuen Schauspieler sind eine willkommene Abwechslung und bieten zumindest ein Mindestmaß an Frische. Wieder ist die Endlastigkeit überragend. Folgen neun und zehn katapultieren die Story in neue Stratosphären; vorher passiert nicht viel.
Die Risse im Geflecht der Story sind nun nicht mehr zu übersehen. Ganze Episoden tragen nichts zum übergeordneten Fortgang der Geschichte bei, und verwiesen wieder auf das mühselige Streamlining der Bücher. Man mag sich darüber streiten, ob es den Autoren gelungen ist, die Story ohne Fahrplan zumindest teilweise spannungsvoll umzusetzen, tritt dann aber immer wieder in die große Effizienzfalle, was bedeutet, dass Kürzungen dem Verständnis für Fans und des Erlebnisses der besten Fernsehserie aller Zeiten zu Gute kommen und die unterliegende Welt vernachlässigen. Ich fürchte mich vor der siebten Staffel. Vor dem ekstatischen Exzess, vor der Schnelllebigkeit der einzelnen Kapitel und vor der allen vor der Vorbereitung auf das Finale. Die siebte Staffel könnte schnell zu einer verwerflichen Übung verkommen, wenn sie nur die Schachfiguren für das Finale zurechtrückt, ohne dabei wirkliche Konsequenzen zu haben. So prognostiziere ich, dass keiner der Hauptfiguren sterben wird. Generell ist das Überraschungsmoment schon seit einigen Jahren, seit Oberyn, verloren gegangen.

Verlassen wir die Welt der Story und werfen wir einen Blick auf die wirtschaftlichen Fakten.
Game of Thrones ist die teuerste Fernsehserie aller Zeiten. Während die erste Staffel noch ein Budget von 60 Millionen Dollar hatte, kostet die Serie in der siebten Staffel weit mehr als 10 Millionen pro Folge. Die Schlachten verschlingen riesige Beträge, um sie in ihrer ganzen schillernden, pompösen Grazie zu zeigen. Ganze Städte wie Dubrovnik werden während der Serie gesperrt. Wälder werden ausgeschmückt und gleichen dem Schauplatz eines Blockbusters.
Es wird meines Wissens (im Trailer ersichtlich) eine unglaubliche Seeschlacht stattfinden. Die Effekte der Drachen sind besser und wahrscheinlich teurer denn je. Bis auf eine Episode werden alle Folgen in der siebten Staffel wird die Länge von 60 Minuten überschreiten. Gerüchteweise soll die achte Staffel 90 Minuten pro Folge sein. Man ist geneigt von den Budgets zu träumen.
HBO verdient sich goldene Socken mit internationalen Deals, Merchandise, Blurays usw. Es sind schon 4 Ableger in Planung und die achte Staffel wird meines Wissens das Licht der Welt nicht vor 2019 erblicken. Ein zynischer Mensch würde darin eine Verlängerung der goldenen Zeiten sehen, ein Auspressen der Zitrusfrucht.
Jeder Hauptschauspieler verdient meines Wissens aufwärts von 500.000 Dollar pro Folge. Während die erste Staffel noch von 2,52 Millionen Live Zuschauern in den USA verfolgt wurde, wuchs die durchschnittliche Zahl in Staffel 6 auf 7,6 Millionen, ohne diejenigen, die die Serie über VOD und international schauen, und die Menschen, die sie illegal herunterladen. Ich wage nicht zu schätzen, wie die globale Zuschauerzahl ist. Game of Thrones ist natürlich die populärste Show in der Geschichte, wenn es um Downloads geht. Man kann sicher sein, dass die Zahlen in der siebten Staffel nicht nachlassen werden.

Wenn man all das im Hinterkopf behält, stellen sich einige Fragen.
Beugt sich die Show dem Markt und schenkt den Fans, das, was sie wollen? Wollen sie nur Krieg und Zerstörung, wollen sie nur Tod und Verderben? Wenn man sich die populärsten Folgen von Game of Thrones anschaut, so stehen die Schlachtfolgen wie Watchers on the wall oder Battle of the Bastards ganz oben und man fragt sich, ob die siebte Staffel ein einziges Blutbad wird, und ob das die Essenz von Game of Thrones ist.
Es geht zum Ende hin, Antworten werden erwartet und erbracht.
Daher stellt sich die Frage nach der Blase. Hat sich Game of Thrones zu viel aufgeladen? Hat es zu viele Konflikte geschürt, die es nicht in einer Weise lösen kann, die Fans ruhigstellt? Haben die beiden Autoren eine zu große Hypothek aufgenommen und den zentralen Konflikt, der scheinbar alle bisherigen TV Großereignisse in den Schatten stellt, vor sich hergeschoben, weil er nicht umsetzbar ist? Wird die Serie unter der Last zusammenfallen und uns fragend zurücklassen?
Ist tatsächlich glorifizierte Befriedigung der Grundstein, auf dem die Serie fuß, oder sind es nicht die weiten Welten und die brillanten Charaktere?
Wie sehr muss die Serie strampeln, um noch dem humanistischen Exempel zu entsprechen, dass sie in den ersten Jahren errichtet hat? Ist der Hype zu groß? Ist die Erwartungshaltung unerreichbar und leidet darunter die Fähigkeit ein zufriedenstellendes Ende zu finden? Sind die wirtschaftlichen Kräfte, die auf die Sendung wirken, zu mächtig? Ist Game of Thrones das Abbild eines entfesselten Neoliberalismus? Fragen über Fragen, die sich angesichts der siebten Staffel stellen. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass die Staffel aus den Fehlern der vergangenen Jahre lernt und uns wieder begeistert, auch wenn wir manche Gewaltorgie durchstehen müssen.
Kann uns Game of Thrones noch überraschen oder nur noch bei der Stange halten? Ich sende meine Gebete an die sieben Götter und hoffe, dass Ersteres eintritt.

[1] Ist Deutschland wir das erschwert, da die Serie legal nur auf Sky zu sehen ist und erst einen Tag später um 21 Uhr, was bedeutet, dass man ungefähr 10 Stunden Gefahr läuft gespoilt zu werden und von jeglichen Social Media Kanälen Abstand halten muss. Ich höre irgendwo die kleinste Geige der Welt für mich spielen.  

[2] Der Austausch zwischen Oberyn und Cersei: “We don’t hurt little girls in Dorne.“ They hurt little girls everywhere.“ scheint die Moral der Staffel zu sein.

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